John Spencer Blues Explosion
John Spencer Blues Explosion mit High Gear und Talk about the blues.
The blues is number one ladies and gentlemen
John Spencer Blues Explosion mit High Gear und Talk about the blues.
The blues is number one ladies and gentlemen
Richard Wagner ist einer der kritischsten Punkte der deutschen Musikgeschichte:
Prägend für seine Zeit, später von den Nazis vor die Propagandamaschine gespannt; ein egomanischer, narzistischer Gesamtkunstwerkler, gierig und zugleich berechnend.
Einer seiner ambitioniertesten Werke ist zweifelsohne »Der Ring des Nibelungen«.
Auf über 14 Stunden führt er das Beethovensche Konzept von Orchesterklang kombiniert mit choralen, oparettenhaften Gessangspassagen aus. Sein Orchester war um mächtige Bläsersätze erweitert. Zur vollendeten Aufführung baute Wagner das Bayreuther Festspielhaus, welches in seiner Konzeption stilprägend für das 21. Jahrhundert war.
Das Orchester verschwand im »mythischen Abgrund«, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers komplett auf die szenerische Darstellung zu lenken. Auch fällt die räumliche Ortung einzelner Instrumente dadurch ins unmögliche. Ein Konzept, wie es schließlich im Hollywoodfilm seine Vollendung fand.
Francis Ford Coppola benutzte schließlich 1979 Passagen aus dem »Ritt der Walküre«, um einen Bombenangriff in seinem Antikriegsfilm »Apocalypse Now« zu untermalen; wahnsinnig? Nicht wahnsinniger, als Wagner selbst es war.
Progressive Rockmusik hatte, ähnlich wie die psychedellische Mucke in der Dekade zuvor und der Disco/Punkhype in den Jahren danach nur eine begrenzte Lebenszeit: Von etwa 1970 bis 1976 konnte man damit Geld machen, dann rollte die Punkwelle von England aus alles platt, was mal den Titel ‘uneingängig’ verdient hatte. Arroganz und Egozentrik waren in der Musik plötzlich nicht mehr gerne gesehen, Musik musste laut, dreckig, direkt und ehrlich werden.
Bands mit Liedern, deren Länge die 4 Minuten-Marke überschritt, bekamen nun den formschönen Titel BOF (boring old farts) aufgeklebt. Eine ganze Generation ging den Bach runter.
Richtig? Fast!
Frank Zappa machte sich auf seine ganz eigene Art und Weise über die Punk-Generation lustig; er brauchte genau 3 Minuten, um die musikalische Sackgasse zu erklären, in der der Mainstream sich zu verlaufen schien.
King Crimson reformierten sich 1980, um auf ihre ganz eigene, schräge Art die Discowelle zu reiten; mit durchschlagendem Erfolg (sogar Chartplatzierungen gab es).
Genesis, Yes und Emerson, Lake and Palmer produzierten ab 1977/1978 mit relativem Erfolg oberflächlichen Mist und sorgten somit maßgeblich dafür, den Kritikern den Nährstoff zu geben, der die Bezeichnung BOF rechtfertigte.
Aber auch Lichtblicke gab es: UK formierten sich 1978 aus King Crimson (Bill Bruford/John Wetton) und Roxy Music (Eddie Jobson) und namen 2 ganz hervorragende Alben auf (letzteres mit dem Frank Zappa Drummer Terry Bozzio), welche sich auch mehr als passabel verkauften, ehe sie sich wieder auflösten, weil Wetton lieber mit Asia auf der Kommerzwelle reiten wollte. Der Beweis war dennoch gelungen: Gute Musik ist eigentlich immer in der Lage, sich die entsprechende Audienz zu erspielen.
Und nicht zu vergessen Kraftwerk: Wenn auch weit simpler und minimalistischer als noch 5 Jahre zuvor, so zeigten sie mit der Mensch Maschine/Computerwelt ebenfalls sehr eindrucksvoll, dass man mit eigenwilligen Sounds einen Massenhype initiieren kann, ohne dabei an Authenzität einbüßen zu müssen.
Insgesamt hatte der Punk/New Wave/Minimalismushype der späten 70er eine notwendige, reinigende Wirkung auf die Musiklandschaft. Endlich verschwanden The Moody Blues von der Bildfläche.
Der Autor Feridun Zaimoğlu beschreibt in der Zeit seine Erfahrungen mit der Platte Never Mind The Bollocks – Here’s The Sex Pistols.
Am nächsten Morgen verzichtete ich auf Kaffee und Brötchen, lauschte den Gesängen der Beischlafpistolen, und da war mir, als wäre ich verwandelt. (…)
Ich holte in der Klasse Erkundungen ein, die Jungs sagten, das wäre ein ganz fieses Ding, die Mädchen sagten, das wäre asozialer Mist. Noch am selben Tag stach ich mir eine Sicherheitsnadel durch die rechte Wange.
Einer der entscheidenden Augenblicke der sechziger Jahre war jener Tag, als die Beatles sich mit dem Maharishi einließen. Es war, als hätte Bob Dylan die Wallfahrt zum Vatikan angetreten, um den Ring des Papstes zu küssen.
Quelle: Angst und Schrecken in Las Vegas, Hunter S. Thompson, S. 223