bygone music

Notizen eines Internetnutzers

The girl with the child in her eyes: Kate Bush

Kate Bush stellt musikalisch wie persönlich eine der erfreulichen Anomalien des Populärmusikbusiness dar. Entdeckt wurde die damals 17jährige vom Floyd-Gitarristen Dave Gilmour und konnte durch ihr unerträgliches Talent die Plattenfirma auf Anhieb davon überzeugen, ihr einen mehrjährigen(!) Vertrag zu gewähren, der ihr unter anderem die Möglichkeit gab, professionellen Gesangs- und Tanzunterricht zu nehmen. Ihr erstes Album »The Kick Inside« veröffentlichte sie 3 Jahre später und es verkaufte sich wie blöde.

Allerdings ist ihre intellektuelle, künstlerisch sehr avantgardistische und stimmlich wandlungsfähige Seite auf diesem Album eher unterpräsent. Ihre vollkommene, kaleidoskopartige Entfaltung fand erst im Laufe der 80er statt, wo sie unter anderem im Duett mit Peter Gabriel (Ex-Genesis), aber auch solo, zum Megaseller mutierte.

Ihren absoluten Höhepunkt erreichte sie 1985 mit dem Album »Hounds Of Love«, von dem zumindest Running Up That Hill (hier begleitet von Dave Gilmour und den Gastmusikern der 80er Floyds) für die meisten Leute ein Begriff ist. Starker Konzeptcharakter und eine fast schon unheimliche Begabung zur Kreierung mannigfaltiger Traumlandschaften, ganz fern von dem Kitsch, in dem sich die Artrocker aus den 70ern gerne mal verhedderten, machen dieses Album zu einem Überwerk.
Nach zwei weiteren, im Vergleich zu »Hounds« eher abfallenderen Alben verschwand die gute Käthe für unfassbare 12 Jahre von der Bildfläche, um 2004 mit einem überraschend starken Album, wenn nicht ihr absolut stärkstes, wieder aufzutauchen: Aerial.
Der einzige Künstler der ‘alten Garde’, dem so ein wahrlich meisterhaftes Spätwerk noch gelungen ist, ist Peter Gabriel mit »Up«.
Kate Bush hat einen einzigartigen Ruf in der Art/Progrockszene, weil sie auf den geneigten Hörer in der Regel eine sirenenhafte Wirkung ausübt. Unheimliche Faszination über ihre exorbitante Begabung ist das zumeist das Ergebnis. Neutrale Bewertungen oder Diskussionen über ihre Musik sind in der Praxis deswegen eigentlich nicht möglich.
(It’s not just because of her latex tits, why people buy her latest hits ;) )

100 Jahre: 1965 – The Beatles

„Ich dachte immer, man muss Panzer fahren und Kriege gewinnen, um den MBE zu bekommen“ sagte John Lennon zu dem ihm verliehenen britischen Ritterorden. Das er es mit seiner Musik auch in die Geschichtsreihe 100 Jahre schafft, war ihm vielleicht nicht bewusst.

[Quelle des Zitats: Musikexpress / Mojo - The Beatles Special Limited Edition]

Cyclon and Garfunkel



Als Video anschauen

[via Robtch]

Ikonen: Jaco Pastorius, E-Bass

Jeder Bassist wird wahrscheinlich früher oder später schon einmal über den Namen Jaco Pastorius gestolpert sein. Pastorius gilt als Vater des Fretless-E-Bass.

Leo Fender entwickelte in den Fünfzigern den E-Bass und stattete ihn im Gegensatz zum Kontrabass mit Bünden aus. Dadurch wurde das E-Bassspiel vergleichsweise leicht, da man lediglich den entsprechenden Bund treffen musste und der richtige Ton erklang. Der offensichtlichste Nachteil war jedoch, dass man sich bei einem Slide, also dem Gleiten von einem Ton zum anderen, nur in Halbtonschritten bewegen konnte und nicht wie beim Kontrabass ein Glissando, also eine stufenlose Bewegung, umsetzen konnte.

Um auch dem E-Bass diese Möglichkeit zu geben, modifizierte Jaco seinen Fender Jazz-Bass und entfernte die Bünde wieder. Dies führte zu einem neuartigen Klang, der als „Jaco Growl“ bezeichnet wird und sich durch den Horn-ähnlichen Klang auszeichnet.

Das bemerkenswerte an Jaco Pastorius ist, dass er den Bass vom einfachen Begleitinstrument zum emanzipierten Melodieinstrument gemacht hat. Durch die Einsatz von Obertönen und die oft in Sechzehntelnoten geführten, melodieorientierten Basslinien begründete er ein neues Selbstverständnis der Bassisten. Nicht zuletzt deshalb berufen sich auch heute noch vor allem viele Studiobassisten wie Marcus Miller und Victor Wooten auf Jaco.

Gute Beispiele für seinen Stil finden sich bei seiner Arbeit mit Weather Report, auf die ich noch in einem anderen Artikel eingehen möchte, und in seinem Solo-Werk. Zwei Beispiele:

Jaco Pastorius – Solo mit Portrait Of Tracy

Jaco Pastorius – Opus Pocus

Art Rock: Pink Floyds The Wall

»Es gibt einfach Alben, zu denen man sich äußern MUß. “The Wall” gehört nicht dazu. Das entnehme ich jedenfalls den Rezensionen meiner Vorgänger. Trotzdem will ich hier etwas ergänzen.«

Lautet das trockene Urteil von Nik Brückner auf den BBS zu Pink Floyds Monsterprojekt »The Wall«. Ich muss da ganz entscheidend wiedersprechen; The Wall war riesig, The Wall ist nach wie vor bezeichnend für die Band und The Wall gehört zu den Platten, die das Kunststückchen vollbracht haben, mit ‘angeartetem’, theatralischen Rock in der 2. Hälfte der 70er noch zum Superseller zu werden.
Jeder kennt die zynische Hitsingle »The Wall Part 2« aka »We Don’t Need No Education«. Für viele Leute ist das die Hymne schlechthin, wenn es um das Thema, äh ja, worum zur Hölle geht es in dem Lied eigentlich? Stumpfe Systemkritik wäre zu einfach, das sagt ja auch schon der leicht konfuse Titel. Oder doch? Dann muss man Waters durchaus scharfe Ironie gegen seine Audienz vorwerfen ((1977) Hey Dave, I bet I get ‘em shouting something as stupid as ‘We don’t need no..’, that would be ridicoulus wouldn’t it? I mean they where so mean to me, now I’m mean to them. (1980) Hah, beat that! I’m awesome!). So wirklich schlau wird man daraus nicht; irgendwann glaubt man dann sogar, dass das garnicht möglich, nötig ist.

Der Rest des Albums fristet sich in ähnlicher bedeutungsschwangerer Bedeutungslosigkeit. Überall donnert es, wird geschrien, verflucht, wird versöhnt, wird doch wieder zurückgenommen, beschuldigt und nicht aufgelöst. Der Rog wollte mit der Scheibe jedem in’s Gesicht spucken, und das ist ihm letzten Endes auch reichlich gelungen. Der Hörer fühlt sich im besten Falle nach dem Hören schuldig oder sympathisiert sich gar mit dem emotionalen Klotz voller Ablehnung und Selbstmitleid, im schlechtesten ist er von der allgegenwärtigen Agression verschreckt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass das ganze Konzert 1990 von Waters auf dem Potsdamer Platz zu Ehren seiner Pers– äh der deutschen Einheit nochmal in richtig groß aufgezogen wurde: Unter anderem mit Unterstützung von den Scorpions, Sinéad O’Connor, Van Morrison und The Band feierte Roger Waters in künstlerisch sehr zweifelhafter Weise (The Wall in Berlin ist einfach in jeder Hinsicht völlig misslungen) vorallem Roger Waters. Das Ding muss sich damals so gut verkauft haben, weil sich ne ganze Generation gebrochener ‘Rockfans’ von Clash und den Pistols überrollt empathische Beziehungen zu Rogers Mauer aufgebaut haben. Eine Art Opfersolidarisierung, getrieben von supertrampesken Funkgitarren und stampfenden Discorhythmen.

Nichtsdestrotrotz: Die Platte muss jeder gehört haben, einfach weil es in der Größe Rockgeschichte, andererseits in der Verkopfung einzigartig ist. Und es gibt viele, viele ganz großartige Momente darauf zu finden, für die es sich unheimlich lohnt.